23 September 2017

titantina unterwegs - Familienführung Stift Dürnstein



Dürnstein gilt zu Recht als Perle der Wachau. Das einprägsame Wahrzeichen, der blaue Glockenturm und die malerischen Gassen verströmen einen ganz besonderen Flair. Der Ausflug auf die Ruine, ins geschichtsträchtige Stift inmitten der idyllischen Ortschaft, umgeben von Marillenbäumen und Weingärten, die sich am Fuße der Donau über die Hänge der Ruine empor schlängeln, zählen zu meinen Kindheitserinnerungen und sind immer einen Besuch wert.



Lust auf eine Entdeckungsreise durch verträumte Gässchen entlang der uralten Stadtmauer, an dessen Seite den Weg weist und vor dessen hölzernen Toren Heurigenbuschen prangern und sich Weinreben ranken? Das Highlight unseres heutigen Ausfluges bildet heute die Familienführung im Stift Dürnstein, denn wir wollen unseren Kindern Dürnstein von einer ganz besonderen Seite näherbringen. Spannend, interessant und wissenswert!






Ein lauer Tag im September. Sonntag. Familientag. Mit unserem alten VW Bus erforschen wir ansonsten gerne die Natur, Weingärten, Wiesen und Felder, aber heute haben wir etwas ganz Besonderes geplant.



Denn wir finden: Abwechslung tut immer gut, und wir begeben uns auf kulturelle Schatzsuche in der Region. Kunst und Kultur sind Themen, die beflügeln und sie geben Einblick in die Geschichte. Sie sind essentielle Grundbausteine für das Verständnis in der Welt, in der wir leben, und erklären, hinterfragen und lassen Vergangenes in neuem Licht erscheinen. Von besonderem Interesse der Kinder natürlich genau dann, wenn geschichtliche und kulturelle Themen kindgerecht aufbereitet werden, und der oder die Kulturvermittlerin eine Beziehung zu den Kindern aufbauen kann, sie gekonnt miteinbezieht, sie anspricht und ihr Interesse weckt. So profitieren auch wir Erwachsenen von dem etwas anderen Zugang zu den mitunter nicht einfachen Kapiteln der Vergangenheit, und wir entdecken uns dabei, wie wir gespannt und neugierig der Führung lauschen, da sie uns womöglich viel verständlicher als gewohnt erscheint.

Warum trägt der Turm gerade die Farbe Blau, und hatte er diese schon immer? Was sind eigentlich Putten und warum taucht hier immer wieder das Symbol des Blumenkorbs auf?

Fragen über Fragen, denen wir wohl ohne Führung nicht auf die Spur gekommen wären!



Die Turmuhr schlägt 12. Wir treffen uns im Stiftshof, umgeben von blühenden Oleandern vor geschichtsträchtiger Kulisse, allen voran dem weißen Stiftsportal, welches sich imposant und versehen mit zahlreichen Figuren und Ornamenten, von dem sich das in erdigen Tönen gehaltene Stiftsgebäude abhebt, emporhebt. Was es mit diesem kontrastreichen Farbenspiel auf sich hat, das werden wir in Kürze erfahren. Hell und dunkel, irdisches Leben versus Himmelreich, Gut versus Böse, diese Dichotomien werden uns durch das gesamte Stift begleiten.




 Mit breitem Lächeln werden wir von der Kulturvermittlerin der Familienführung begrüßt. Ausgangspunkt ist einer der ältesten Teile des Stiftes, dem Brunnen, aus dessen Tiefe schillernde Münzen emporleuchten. Der Goldjunge ist todmüde, und eigentlich, so kommt uns in den Sinn, ja eigentlich müsste er schon längst im Träumeland schwelgen, wenn da nicht das unbekannte Terrain wäre, das es zu erforschen gibt, und wären da nicht die vielen Stimmen der Touristen, die fröhlich durch das Stift schweifen. Mittagsschlaf adé, willkommen Stift!

Um die Jahreszahlen und Epochen zu veranschaulichen und im wahrsten Sinne des Wortes "greifbarer" zu machen dient eine lange Perlenholzkette. Wir erfahren, was es mit der Gründerin Elsbeth von Kuenring auf sich hat, und wie aus dem einstigen Wirtschaftsgebäude und der Marienkapelle das imposante Stift erschaffen wurde, welches 300 Jahre später von Probst Hieronymus Uebelbacher vom ursprünglich gotischen in den barocken Stil umgebaut wurde.

 



Durch das Stiftsportal gelangen wir zum Stift, und machen Halt vor einem beeindruckenden vergoldeten Holzrelief, welches den Titel "die Sintflut" trägt. Der Vater des berühmten österreichischen Barockmalers Martin Johann Schmidt, auch bekannt unter dem Synonym Kremser Schmidt, hat es wie auch zahlreiche andere bedeutende Bildhauerarbeiten des Stifts, erschaffen. Absichtlich düster gehaltener Trakt versus durch Kuppeln hell erleuchteter, lichtdurchfluteter Haupttrakt. Die Intention des Bauherren wird hier augenscheinlich. Während der Goldjunge durch die Sitzbänke flitzt, widmen wir uns dem berühmten Gemälde der Heiligen Katharina, und erfahren, dass in einem der Glassärge der Heilige Augustinus seine letzte Ruhestätte fand.




Auf geht's zur Bildersuche! Das Fräulein ist drauf und dran, Bilder von Malereien im Kreuzgang und in der darunterliegenden Krypta und den steinernen Grabnischen wiederzufinden. Die interaktive Suche führt uns vorbei an einem besonders einprägsamen Altar im Kreuzgang, der an eines dieser Vintage Pop-up Bücher erinnert, und in Form einer dreidimensionalen Theaterkulisse erschaffen wurde.



Die Stiftsterrasse. Eine imposante Plattform, auf Fels gebaut, einst strategisch wichtiger Aussichtspunkt der damaligen Schifffahrt, erstreckt sich über dem Stiftsgarten. Ein Highlight für den fahrzeugaffinen Goldjungen, der seinen Kopf fasziniert nach vorbeifahrenden Schiffen streckt,  und auch für uns, die all die Details an Fassade und Turm inspizieren, und dank der Kulturvermittlerin die geschichtliche Hintergrundinfo dazu erhalten. Ein vergoldetes Flammenherz prangt inmitten zweier Putten, und hier ragt auch das Wahrzeichen, der symbolträchtige Glockenturm mit seinen Obelisken empor.




"Das hat mir voll gut gefallen!" so das Fräulein, das mit einem Stifteetui in einer Hand, und in der anderen ein kleines Rätselheft fröhlich und beschwingt aus dem Stiftstrakt tänzelt. Ein Blick zum Goldjungen, der sich nach übertauchtem Mittagsschläfchen quietschvergnügt und voller Elan in die vorüberziehende Touristenmenge wirft,  lässt mich schmunzeln. Das war heute ein Erlebnis für Groß und für Klein!




Habt ein schönes Wochenende!

Eure Tina










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19 September 2017

Waldgeflüster und Pilze - einfach & glutenfrei



September ist Pilzzeit im Hause titantina. Herr W. und die Kinder streifen in jeder freien Minute durch Wald und Hain, und ehrlich gesagt, am Schönsten und Stimmungsvollsten, und auch für mich in der Schwangerschaft am Angenehmsten ist es im goldenen Herbst. Neben dem Pilzesammeln gibt es dann auch schon jede Menge an Naturmaterialien wie Eicheln, Nüsse, Kastanien, Beeren, Bockerl und Blätter zu finden, die sich auch super für Dekozwecke eignen oder sich in die Rubrik "Basteln mit Kind" einordnen lassen. Das Fräulein hat eine Riesenfreude daran, diese Kostbarkeiten aus der Natur aufzustöbern, und sogar der Goldjunge hat bereits seinen ersten Parasolfund hinter sich. Fröhliches Strahlen stand in seinem Gesicht, in der Hand hielt er den langen Stiel des Parasols, seine Augen waren auf die riesige Kappe, die nach Wald duftete, gerichtet. Was wohl daran liegt, dass die Pilze momentan aufgrund des feuchtnassen Wetters eine erstaunliche Größe erreichen. "Willkommen Regenwetter!" sagen wir, da sind wir uns einig, schlüpfen in die Gummistiefel und in den Regenoverall, und begeben uns auf in den Wald, zu den 3 Teichen und dem Schwedentisch, wo sich die Pilze tummeln!

Waldliebe

Beruhigend und spannend zugleich, kräftigend und wohl der beste Frischegarant und "Schlechte-Laune-Bezwinger" überhaupt. Der Wald präsentiert sich Klein und Groß von verschiedensten Seiten. Sei es, um  nach einem streßbehafteten Tag zur Ruhe zu kommen oder auf Entdeckungsreise in das tiefe Grün zu gehen, der Wald hat viele Facetten. Er gibt uns Kraft und lässt uns negative Gedanken vergessen, indem er mit all seinen Reizen aufwartet. Das weiche feuchte Moos, undurchdringliches Gestrüpp, ein riesiger Ameisenhügel, ein hohler Baumstamm hier, eine Fährte eines Rehs auf nasser Erde da, begleitet von dem Klopfen eines Spechts. Dort ein schmales Bächlein, das sich durch das üppige Grün der Farne schlängelt. Wir finden, er ist der beste Spielplatz der Welt.




Da ich vor einiger Zeit mit unangenehmen Verdauungsstörungen zu kämpfen hatte, habe ich kurzerhand beschlossen, mich in eine Testphase in Punkto Gluten- und Laktosefreiheit zu begeben. Denn wir ich aus medizinischen Kreisen vernahm, wenn es sich nicht um eine Glutenunverträglichkeit sondern um eine Glutensensibilität handeln sollte, ist das Feststellen kein einfaches Unterfangen, und so manches Testergebnis fällt negativ aus. "Also, gut! Warum eigentlich nicht! Schaden kann es ja nicht!" so mein Gedanke, und ich machte mich drauf und dran, alle Vollkornprodukte und weizenhältige Lebensmittel, von denen wir zu Hauf zu Hause lagernd hatten, gegen glutenfreie Produkte und diverse Getreidesorten wie Quinoa, Mais, Buchweizen, Amaranth und Hirse auszutauschen. Da ich es gewohnt war, bei jedem kleinen Hunger auf eine Scheibe Brot zurückzugreifen, war mein Vorhaben kein leichtes Unterfangen. Aber wenn man erst einmal seine Gewohnheiten ändern und sein Vorhaben in die tat umsetzen möchte, dann wird einem das breite Spekturm der (oft gesünderen) Alternativen bewusst.




Durch diese Überlegungen bin ich auf die die Idee gekommen, ein alternatives Rezept für Pilze zu probieren, welches a) einfach zuzubereiten ist b) zur Gänze auf Gluten und Laktose verzichtet und c) natürlich auch schmackhaft sein soll.

Zuerst am Parasol ausgetestet, den wir lediglich als überbacken zubereitet hatten, kam ich zu dem Entschluss, dass sich die einfache Zubereitung auch für alle anderen Pilzsorten, vorausgesetzt sie sind frisch, hervorragend eignet.

Sidefacts

Pilze gelten als "Fleisch des Waldes". Sie sind nährstoff-und vitaminreich, sie enthalten eine hohe Konzentration an Kalium, Phosphor, Eisen, Vitamin A und D und ihr Eiweißgehalt ist höher als der von Gemüse und ist daher vergleichbar mit dem von Fleisch. Allerdings enthalten ihre Zellwände auch Cithin, welches zu Verdauunsgsproblemen führen kann. Jedoch hat es gleichzeitig auch den Ruf, die Darmtätigkeit anzuregen.

In Maßen genießen

Vorsicht ist dennoch in Punkto Schadstoffbelastung geboten. Cäsium und auch Schwermetalle wie Blei können sich in Pilzen in Industriegebieten oder stark befahrenen Straßen ablagern, deswegen sollten Pilze auf keinen Fall zu häufig konsumiert werden.




So habe ich es gemacht:


Pilze nicht waschen, sondern mit einem Pinsel gründlich säubern.
Pilzhut in Steifen/kleinere Stücke schneiden, Stengel nicht verwenden.
Nicht zu viel (Pilze sollten nicht darin schwimmen) neutrales Öl (Bsp. Rapsöl) in eine Pfanne gießen und Pilze auf beiden Seiten je ca. mindestens 5 Minuten bei mittlerer Hitze braten. Darauf aufpassen, dass sich die Stücke nicht zu braun färben. Das kann z.B. beim Parasol einen bitteren Beigeschmack hervorrufen. Mit einem Schuss Weiwein ablöschen. Etwas Schlagobers oder Schlagobersersatz (alles laktosefrei erhältlich) dazugeben und kurz bei mittlerer Hitze erwärmen und gut durchmischen.
Klein geschnittene Petersilie dazugeben, salzen und pfeffern.


Durch das intensive Aroma der Pilze benötigt es keine weiteren Zutaten, denn genau dadurch kommt das unverfälschte Aroma erst so richtig zur Geltung.
Die Pilze habe ich mit Erdäpfelrösti und Polenta (alles glutenfrei) serviert. Aber auch ein Risotto oder Nudeln passen perfekt dazu!

Na, habt ihr jetzt so richtig Lust auf den Wald bekommen? Dann rein in die festen Schuhe oder aber ihr genießt noch weitere Impressionen zu Faszination Wald bei den Wortmalereien der lieben Andrea!



Guten Appetit wünscht Euch

Tina

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14 September 2017

I love handmade: Häkelkleid

Umstandskleid





Es begann mit dem Häkeln von Amigurumis im Jahr 2009. Als das Fräulein das Licht der Welt erblickte, habe ich mich nach Jahren dem damals gleichzeitig mit der Imageaufwertung des dazumals tendentiell etwas als verstaubt geltenden Häkeln gewidmet. Jedoch blieb es nicht bei Rasseln und Greiflingen für Baby und Kind, denn bald gesellte sich auch das Nähen von Kinderaccessoires dazu, bis ich dann nach Jahren beim Nähen von Kinderkleidung landete.

Umstandskleid


Doch wie sieht es heute mit einem Schulkind und einem Kleinkind aus? Zugegeben, die zeitlichen Ressourcen sind knapp, aber was zählt, ist die Freude am Gestalten und Werkeln, und so findet sich hin und wieder ein Tag oder zumindest ein paar Stunden, um mich dem geliebten Hobby zu widmen.
Kleine, einfach umzusetzende Projekte sind es, die meine Nähwut entfachen, und meine kreative Ader beflügeln, um Abstand zu gewinnen zum Alltag und meinen Kopf zu entlüften. Es ist nicht nur befreiend, sich dem eigenen Schaffen zu widmen, sondern auch befriedigend und wertvoll zugleich, da man mit seinen eigenen Händen etwas Schönes erschafft, das individuell ist und seiner eigenen Kreativität entstammt.

Umstandskleid




Leider fehlt es jedoch an der Umsetzung von größeren Projekten, die ich zwar liebend gerne umsetzen würde, die mir aber alleine beim Gedanken daran, immer wieder ein Zeitfenster suchen zu müssen, etwas unter Druck setzen, denn allzu langes Ausharren und eine Umsetzung, die Monate in Asnpruch nehmen würde, ist momentan nichts für mich.

Die liebe Alena ist für mich DIE Handarbeitsfee schlechthin. Von Patchwork über Stricken und Häkeln, ich glaube es gibt nichts, was sie nicht beherrscht, sie liebt es und das merkt man. Schon als Kind habe ich ihre Werke bestaunt, und dachte: "sieht toll aus, ist aber definitiv nichts für mich!" So können sich die Dinge ändern.



Dieses Häkelkleid ist aus ihrer eigenen Feder (hier https://vidacolora.blogspot.sk/geht's zu ihrem Blog) entstanden, und obwohl sie zum Zeitpunkt der Übergabe noch nicht einmal von meiner Schwangerschaft wusste, macht es sich aufgrund der sich an die Körperform anpassenden Sitz und der verwendeten Baumwollgarne perfekt für die Schwangerschaft, und natürlich auch für die Zeit danach. Selbstgemacht, individuell und nachhaltig, so mag ich das!

Schwangerschaftskleid


An dieser Stelle noch mal ein DANKESCHÖN von Herzen für all die Mühen und Stunden mit der Häkelnadel in der Hand!

Ich hab' da so ein Gefühl, sie heckt in der Zwischenzeit bereits ein neues Projekt mit ihren Stricknadeln aus. Ich halte Euch am Laufenden!


Habt noch eine schöne hoffentlich nicht zu kalte Herbstwoche!


Eure Tina
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05 September 2017

Alltagsgeschichten: Die 3. Schwangerschaft



Mitten im Geschehen

Als 2-fache Mama wird man ganz schön gefordert. Die Eltern eines Kleinkindes werden mir zustimmen: der Alltag ist turbulent und man findet anders als in der Babyzeit kaum eine freie Minute für sich selbst. Denn: das Kleinkind ist überall. Und nichts ist vor ihm oder ihr sicher. Die Nähpäuschen der kreativen Mamas werden auf entspanntere Zeiten, nämlich dann, wenn man das Kleinkind im Träumeland vermutet, oder Oma ihre Runden mit dem Kinderwagen dreht, verschoben, und der Haushalt ist ohnehin ein Kapitel für sich. Bauklötze in der Küche, das Innenleben der Spielküche, auf dem gesamten Wohnzimmerteppich verteilt, und auch unter diversen Kästchen und der Couch findet sich immer wieder ein schon längst verloren geglaubtes Puzzleteil, während im Kinderzimmer gähnende Leere herrscht. Nichts für schlechte Nerven und eine klare Absage an den Perfektionismus, eine Ode an die Geduld und die Lebensfreude. Kleinkindalltag pur eben, mit vielen Emotionen und immer wieder für eine Überraschung im Kleinkindalltag gut.




Zustimmung und Zweifel

Das Gefühl der Zustimmung auf die Frage: "3. Kind ja oder nein" war im Hause titantina auf beiden Seiten stark, jedoch mit rational begründeten Einschränkungen behaftet. Zweifel machten sich breit, und ich war mir plötzlich nicht mehr so sicher, ob ich tatsächlich den multiplen Belastungen einer Mutter, die Haushalt, riesigen Garten, Kinderbetreuung und zeitintensive Hobbys unter einen Hut bringen wollte, standhalten könne. Ein Schulkind, welches in seiner Selbständigkeit kaum zu übertreffen war, auf der anderen Seite ein Kleinkind, das sich inmitten der Trotzphase befindet und uns nach wie vor die Nächte raubte, und plötzlich war da noch ein Baby, das sich auf den Weg machte. "Würde ich das alles schaffen?" so mein erster Gedanke, und "Wie werden wir am besten die Kindergarteneingewöhnung organisieren, wenn zum selben Zeitpunkt das Baby kommt?"
Oder sollten wir doch besser den Kindergarteneinstieg auf einen späteren Zeitpunkt verschieben, was wäre dann aber mit den "freien" Vormittagen?
Fragen über Fragen, und die Schwere und körperliche und psychische Last der Frühschwangerschaft, wie ich sie von meinen vorherigen insgesamt 4 Schwangerschaften noch nicht kannte, überschatteten die ersten 10 Wochen. Erschöpfung, emotionale Schwankungen vergleichbar mit depressiven Phasen und Übelkeit von frühmorgens bis spät verstärkten meine Zweifel noch zusätzlich, und ich fühlte mich matt und absolut nicht belastbar. Der Rat der Ärztin:" Warten wir noch ein paar Wochen, das könnte an der hormonellen Umstellung liegen", ließen in mir einen Hoffnungsschimmer aufkeimen, und schön langsam kam ich wieder zu Kräften, indem ich mich an extrem heißen Sommertagen schonte und das Nichtstun zelebrierte. 
Und siehe da, es ging bergauf. die Lebenskräfte und mit ihnen das Vertrauen in die neu gewonnene Lebenssituation kehrten zurück.



Ein gutes Netzwerk ist Gold wert

Wir werden das schon schaffen. Mein absoluter Leitsatz zu Beginn des Tages, nach turbulenten Nächten und auf dem morgendlichen Weg zum ersten Cafe Latte. Und auch, wenn der Goldjunge lauthals das Spielzeug durch die Gegend donnert, und wenn ich mich an die ersten Monate nach der Entbindung, den emotionalen Hochs und Tiefs, die Stillzeit und die kräftezehrenden Nächte zurückerinnere. Wir kommen zu dem bahnbrechenden Entschluss: Um Kräfte zu sparen, und das Zusammenleben so stressfrei wie möglich zu machen, müssen wir Vorsorge treffen, und wir erweitern unser Betreuungsnetzwerk wenn nötig. Ich gönne mir weiterhin meine wertvolle "Mamaauszeit", die seit einigen Wochen zu einem fixen Bestandteil der Wochenplanung geworden ist, und nehme mir bewusst einen Tag für mich alleine, sei es, um die Ruhe in der Natur zu genießen, oder mich meinen kreativen DIY Projekten zu widmen. Aktivitäten, die meinem kopflastigen Ich Ruhe und Zerstreuung bringen, den Druck des alltäglichen Herausforderungen mindern und einfach den Kopf frei machen.



Jede Schwangerschaft ist individuell

„Beim zweiten Kind läuft schon alles nebenher, und man konzentriert sich nicht mehr allzu sehr auf die Schwangerschaft“, so eines der geläufigen Sätze, die mir zu Ohren kamen, als ich mit dem Goldjungen schwanger war. Einer dieser Sätze, die wahrscheinlich auf einen Erfahrungsschatz zurückgreifen, die aber außer Acht lassen, dass jede Schwangerschaft, wie auch der Altersunterschied der Geschwisterkinder und die Befindlichkeit der Mutter variieren. Ich kann zwar die Hymne bestätigen, dass man, vorausgesetzt die körperlichen Befindlichkeiten erlauben es, bereits relaxter ist, einfach aus dem plausiblen Grund, weil man bereits die Erfahrung von Schwangerschaft gemacht hat, und auf sein ganz eigenes Geburtserlebnis zurückblicken kann. Aber auch diese Tatsache trägt eventuell dazu bei, um Vergleich anzustellen, sei es im Positiven, auch wie im Negativen, so wie es bei meiner ersten Geburt der Fall war. Je näher die zweite Geburt rückte, desto nervöser und aufgeregte war ich. Jedoch  im Bewusstsein dessen, dass ich mir sicher war, und erhoffte, diese bevorstehende Geburt würde ich dieses Mal als konträr, und dadurch positiver erfahren, wurde aus der anfänglichen Angst eine Gebärende, die alle Kräfte sammelte und im Endstadium an einem heißen Septembertag die Wehen voller Taten-und Bewegungsdrang im Bach neben der Geburtsklinik verarbeitete. Der liebenswerten und kompetenten Unterstützung einer engagierten Hebamme sei Dank, dass aus einem traumatisierenden Geburtserlebnis unter wenig einfühlsamer Begleitung eine komplett gegensätzliche Erfahrung bei Kind 2 machen durfte. Der

Grund, warum ich gestärkt und positiv auf ein 3. Geburt sehe!

Welche Erfahrung habt ihr denn gemacht und welche Gedanke sind denn in Euren Köpfen herumgeschwirrt, als ihr mit eurem zweiten, dritten oder sogar 4. Kind schwanger ward?



Eure Tina









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26 August 2017

Alltagsgeschichten: 23 Monate Kleinkind




Sommerpause, Urlaub im Süden und jede Menge Neuigkeiten (mehr dazu in Kürze) haben uns den Sommer versüßt, unseren Alltag turbulent gestaltet, um mich dabei ganz vergessen lassen, dass das monatliche traditionelle Kleinkindupdate schon längst überfällig war. Deswegen nun flott ein ehrliches mit einem Augenzwinkern zu betrachtendem Review, ein Sammelsurium aus unserem bunten Alltag, noch ehe das Herbstkind seinen 2. Geburtstag feiert, und sich die ersten Blätter bunt verfärben.





Neuer Tick, alter Tick

Beim letzten Update vor 2 Monaten hatte ich freudestrahlend darüber berichtet, dass der gute alte Tick des Goldjungen, der sich über mehr als einem Jahr bis dato standfest aufrecht gehalten hatte, und der darin bestand, möglichst fest und unnachgiebig an den Haaren (aber nicht seinen eigenen) aus gesammelten Leibeskräften zu ziehen, und der sich als gängiges Beruhigungsritual zu Lasten der Eltern etablierte, aber einen höchst positiven Effekt für den Buben innehatte, sich plötzlich in Luft auflöste.

Und siehe da. 2 Monate später sehen wir uns gezwungen, zu revidieren: unser Plan ist DOCH nicht aufgegangen, und wir stehen exakt dort, wo wir bereits waren: beim Haareziehen, dieses Mal inzwischen mit weiterentwickelter Taktik. Es wird gezogen und gezwirbelt, was das Zeug hält.
"Ob es vielleicht doch an den Alternativen mangelt?" So unsere wiederaufkeimende Fragestellungen, um im selben Zuge resignierend festzustellen: "Aber nein. Das hätte wir ja alles bereits schon  durch! Er nimmt ja keine an!"
Nichtsdestotrotz war es einen Versuch wert, und wir sahen uns in freudiger Laune und voller Hoffnung mit dem guten alten damals verschmähten Goldi Sauger aus Babyzeiten und dem Gedanken "er ist eh aus natürlichem Kautschuk, immerhin besser als Haareziehen" in der Hand.

Dieses verhältnismäßig große braune runde Monstrum, das nun besser zu seinen Proportionen passte als zu Babyzeiten, wie wir nüchtern feststellen mussten, erfüllte seine Zwecke durchaus. Zwar nicht um dem leidigen Haareziehen entgegenzuwirken, sondern um ein weiteres als lästig empfundenes essentielles Prozedere zu verkürzen, oder sagen wir besser, für alle Beteiligten erträglicher zu machen. Weiter geht's zum nächsten Punkt, des lautet:

Wickeln? Ich doch nicht!





"Mamaaaa, der stinkt!" Das Fräulein läuft mir mit über ihrer Nase hoch erhobenen Fingern entgegen, während der Goldjunge das Weite sucht, und die exakte Gegenrichtung ansteuert. So schnell er kann läuft er weg, schlittert mit seinen Socken (warum ist er eigentlich nicht barufss unterwegs wie sonst auch immer?) über das Parkett und flitzt laut lachend in Richtung Türe ohne sich umzudrehen. Wissend, dass sich dieses schon allzu oft erlebte Theater, das sich seinen Weg in Richtung Wickelkommode bahnt, nur von kurzer Dauer sein würde, und in nicht allzu langer Zeit in einem Drama ausarten würde. "Vielleicht sollte ich die ganze Sache mal anders angehen, nicht so vorurteilsbehaftet, und einfach locker an die Sache rangehen?" so meine innerste Stimme. Ich atme einige Male tief ein und tief aus und sage zu dem Jungen mit entspannter, möglichst ruhiger und freundlicher Stimme, mit fester Überzeugung und mit einem Lächeln auf den Lippen: "R...., wir werden jetzt wickeln gehen." Denn, das ist mir bewusst: je besser ein Kind auf eine Situation vorbereitet ist, desto gelassener reagiert es auf die Situation.
Ja, soviel zur Theorie. Zurück zur Praxis. Goldjunge außer sich. Zickzacklauf im Kinderzimmer, gerade noch die Kurve gekratzt, vorbei an Ecken und Kanten. Nicht zu vergessen: die Socken!

Und der Rest? Den darf ich euch milde lächelnd ersparen, denn ich weiß: jede und jeder kann ein Lied davon singen. Fazit unserer Geschichte: das Wickeln war ein äußerst schwieriges Unterfangen, begleitet von wildem Treten, Gekreische und Gezappel, vielen Tränen und einer Einsicht, die wir alle kennen: es ist schließlich nur eine Phase. Und der Goldjunge läuft kurz danach wieder freudestrahlend in bester Laune, so als wäre nichts geschehen, mit seinem lieb gewonnenen Goldi vergnügt durch die Gegend.



Entdeckungstour durch die Welt der Wörter

Es begann mit einem "ling" für Schmetterling noch ehe das allerorts gefürchtete NEIN Einzug hielt. Anstatt eines simplen JAs begnügen wir uns mit einem Kopfnicken mit Augenaufschlag, und MAMA und PAPA kommen wie aus der Pistole geschossen. Eines der Lieblingswörter AUTO war ein Dauerrenner den ganzen Tag über (und während des Schlafs, wie ich eines Nachts hörend und staunend etwas betreten vernahm). OK, er ließ sich mit dem Kommunizieren von Wörtern sehr viel Zeit, und die gaben wir ihm natürlich auch, ohne einen anderen Zustand mehr als zielstrebig herbeizuführen, im Bewusstsein dessen, dass jedes Kind seinen eigenen Rhythmus hat. Doch es gab sie, diese Situationen, in denen man sich insgeheim wünschte, er könne zumindest ansatzweise andeuten, was zum Teufel so einen Riesenaufstand und emotionalen Ausbruch herbeiführte, den ich törichterweise in der Situation heraus als nicht verhältnismäßig empfand, und absoluten Erklärungsbedarf hatte. Klar, ein Kleinkind im Trotzalter kann wie wir Erwachsenen in bestimmten Situationen nicht immer genau artikulieren, was genau ihn oder sie -überwältigt von Gefühlen - derart auf die Palme bringt. In vielen Momenten jedoch, in denen es lediglich darum ging, etwas Bestimmtes haben oder auch nicht haben zu wollen, wäre einer Schreiattacke durch einen Wortwechsel abzufangen gewesen.

Die Sommermonate haben auf wundersame Weise den Redefluß und die Neugier aufs Kommunizieren entfacht. Was auch immer die Motivation herbeigeführt hat, es ist offensichtlich, dass die Möglichkeit, mit Wörtern Klarheit zu verschaffen, ihn enorm anspornt und so wie ich den Eindruck habe, fröhlicher und zufriedener macht. Und es nimmt den Druck auf beiden Seiten, es entlastet und entschärft so manche Situation.


Mit diesem Update verabschiede ich mich in das Wochenende und wünsche Euch einen schönen Herbstbeginn!


Eure Tina

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